Samstag, 25. Juli 2009

KDE4.3 Test - Selbstversuch eines Gnome Nutzers

Nach etwas mehr als 2 Jahren Erfahrung mit dem Gnome-Desktop von Ubuntu habe ich mich entschlossen, mal wieder KDE4 auszuprobieren. Meine Gründe dafür sind nicht die Unzufriedenheit mit Gnome sondern, dass KDE4 sich in heftiger Weiterentwicklung befindet und somit ständig in den News ist.

Prinzipiell kann man KDE4 neben Gnome in der selben Installation installieren und beim Anmelden den Desktoptyp wählen. Leider waren meine vorherigen Erfahrungen mit KDE4 nicht so rosig, so dass ich eine separate Installation wählte.

Die Installation gestaltete sich Ubuntu-typisch einfach. Nach einer halben Stunde war das System installiert.

Das Erscheinungsbild ist eher an Windows orientiert. Es gibt ein unteres Panel, einen Startbutton an gewohnter Stelle. Die vorherrschende Farbe ist Blau. Die meisten Button und Symbole sind blau. Das wirkt oft störend, da beispielsweise die Symbole des Dolphin Dateimanagers und des Desktops sehr groß sind. Weiterhin fällt auf, das in Dolphin leider keine Shortcuts für die Ordner Dokumente, Musik, usw. angelegt sind.


Nicht nur die Farbe Blau, sondern auch das Panel am unteren Bildschirmrand mit dem K(Start)-Button erinnert mich start an das blaue Monster aus Redmont.

Als nächstes habe ich die Installation auf den aktuellen Stand gebracht. Dazu musste ich eine WLAN-Verbindung einrichten. Im Panel befindet sich auch ein Widget dazu, so dass es kein Problem ist.

Nach einem Neustart fällt auf, dass die letzte WLAN-Verbindung nicht automatisch wiederhergestellt wird. In den Einstellungen der Verbindung kann dies aber eingestellt werden.

Gleich darauf folgt das nächste Problem. Das Passwort für die WLAN-Verbindung kann man sinnvollerweise speichern. KDE verwendet dazu KWallet. Allerdings scheint das Ganze von der Bedienung nicht richtig durchdacht zu sein:
Erstens wird man gefragt, ob man dem Programm, das gerade die Daten in das Wallet gespeichert hat, Zugriff darauf gewähren will. Das ist natürlich ein überflüssig.
Dann wird das Wallet nicht wie unter Gnome automatisch beim Systemstart aufgesperrt. Man muss also zwei Mal ein Passwort eingeben. Wenigstens hätte man dem Nutzer die Wahl lassen sollen. Aber ein automatisches Aufsperren ist nicht möglich.

Das von mir aus den PPA-Quellen (http://ppa.launchpad.net/kubuntu-ppa/backports/ubuntu) installierte KDE4.3 mach einen guten Eindruck. Mangels Kenntnis der Version 4.2 kann ich hier nicht auf die Unterschiede eingehen. Das neu eingeführte Thema Luft, gefällt mir nicht so gut. Teilweise sind Widgets nicht gut zu erkennen.


Ich habe den Desktop auf Oxygen zurückgestellt. Obwohl dann die Desktop-Widgets dann sehr massiv aussehen.


Beim Arbeiten kommt es nur noch selten zu einer Fehlermeldung, das war bei mir in den vorherigen Versionen noch ganz anders. Allerdings muss ich sagen, das die Performance zu wünschen übrig lässt. Menüs öffnen sich mit Verzögerung und die Effekte weisen meist ein Ruckeln auf.

Im unteren Panel werden Vorschaubilder der offenen Programme angezeigt. Leider verschiebt sich das Vorschaufenster nur, anstatt neu aufzuklappen. Das ist nicht der Effekt den man erwartet und nicht intuitiv.

Sehr gut hat mir gefallen, dass bei einer schnellen Bewegung der Maus in die obere linke Ecke alle Fenster so angeordnet werden, dass man das gewünschte schnell auswählen kann. Das kann man in Gnome ebenfalls einrichten.

Ein anderer unverständlicher Punkt ist, dass GKT+ Programme sehr schlecht aussehen. Für sie scheint anders als unter Gnome kein richtiges Theming eingestellt zu sein.

Um das zu Ändern kann das Packet gtk-qt-engine installiert werden. Anschließend existiert in den Systemeinstellungen eine neue Einstellmöglichkeit. Allerdings zeigte es bei mir keine Auswirkungen.


Der Start-Button gefällt mir nun gar nicht. Erstens ist er langsam, zweitens finde ich das Hin- und Hernavigieren umständlich. Untermenüs klappen nicht einfach auf, sonders ersetzen aus aufrufende Menü. Zwischen den Hauptgruppen kann man über den unteren Rand wechseln. Alles umständlich und inkonsistent. Das Gnome-Menü erlaubt einen schnelleren und direkteren Zugriff auf Programme. Ein anderer nerviger Punkt ist, dass neu installierte Programme erst nach einem Neustart im Startmenü erscheinen.


Gleiches gilt für die Systemeinstellungen. Diese sind ähnlich zu Windows in einem Fenster zusammengefasst. Ich komme besser mit den beiden Untermenüs in Gnome zurecht. Allerdings sehen die dann nicht nach Windows aus. Aber das muss ja kein Nachteil sein.

Jedenfalls auf meinem System ist nervend, das die Glättung der Bildschirmschriften nicht automatisch aktiviert war. Dadurch sehen alle Schriften auf einem LCD grauenvoll aus. In Ubuntu Jaunty ist die Glättung von Haus aus aktiviert.


Für diesen Test wollte ich ein paar Bildschirmfotos erstellen. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Die Druck-Taste ist bei meinem KDE4.3 RC3 nicht mit dem Snapshottool verbunden. Dieses kann man zwar einfach aus dem Anwendungsmenü aufrufen und auch einen Timer kann man einstellen, aber es ist wieder mal nicht die einfachste und intuitivste Möglichkeit.

Kopete ist das Chatprogramm von KDE. Leider war kein Videochat mit GTalk möglich, auch nach ändern der Parameter. Eine Verbindung zu Yahoo klappte ebenfalls nicht. Unverständlich ist, warum der Benutzername nachträglich nicht geändert werden kann. Es muss ein neuer Zugang angelegt werden.

EMail, Kalender, Kontakte und weitere Programme sind im Persönlichen Informationsmanager zusammengefasst.


Das ist Geschmackssache, ich bevorzuge getrennte Programme. Außerdem ist mir der Vorteil nicht bewußt. Wenn ich bei Yahoo, Google, usw. ein Konto in Mail einrichte, würde ich von einem Informationsmanager erwarten, dass dann auch Kalender, Kontakte und Chat eingerichtet sind. Das ist aber nicht der Fall. Kopete ist nicht integriert.

KMail konnte bei mir nichts mit einer HTML-Mail anfangen, das Kalender-Programm nichts mit meinem Googlekalender. Ich benutze deswegen weiterhin Thunderbird mit dem Lightning Plugin.

Fazit:


KDE4 hinterlässt schon einen guten Eindruck. Der Desktop scheint nun so stabil zu sein, um auf den Anwender losgelassen zu werden. Allerdings sind viele Programme umständlich zu bedienen und unübersichtlich, wie beispielsweise der Dolphin-Dateimanager. Bei anderen fehlen noch einige Funktionen. Dort fehlt bestimmt noch ein Jahr an Verbesserung.

Für den interessierten Nutzer bedeutet das eine tolle Spielweise, bei dem einem nicht lanweilig wird.

Für einen (noch) Windows-Nutzer bietet es sich sowieso als Alternative an, die Bedienung ist keinesfalls schlechter als das von Windows Vista/7.

Gnome bleibt trotzdem die einfachere und funktionierende Alternative und ist für die Mehrheit der Nutzer zu empfehlen.

Grundsätzlich kann man nur begrüssen, dass beide Desktops in Zukunft noch enger zusammenarbeiten wollen. Doppelentwicklungen kann man sich in Linux nicht leisten. Die Entwickler sollten sich auf ein Programm konzentrieren, das in beide Desktops integriert ist. Gnome-Programme können aber auch heute schon in KDE benutzt werden, andersherum natürlich genauso.

Kommentare:

  1. Also mal ganz ehrlich:

    Zum einen stört es dich, dass Kontact alles in einem vereint und in der nächsten Zeile bemängelst du, dass Kopete nicht integriert ist?

    Ebenso der Kritikpunkt bezüglich automatisches einfügen von Google Kalender und co beim anlegen eines Google Mail Kontos ist etwas schwach. Zum einen kann diese Funktion das von dir genannte Programm (Thunderbird) auch nicht zum anderen zum anderen sind Kalender und Mail zb. bei Google zwei unabhängige Tools, die nicht zwangsläufig miteinandern zu tun haben müssen (aber können).

    Das "Gnome-Programme" (also GTK Programme) schlecht aussehen, liegt primär daran, dass eben das Paket "gtk-qt-engine" nicht installiert/aktiviert ist, dass ist jedoch bei den meisten distris von haus aus dabei und funktioniert auch so wie gewünscht.

    Ebenso viele von dir geschilderten "Probleme" (zB. das die Print-taste nicht mit knsnapshot verknüpft ist) treten nicht auf, wenn man eine ordentlich distri nimmt.

    Deine Kritik am Startbutton ist auch etwas wunderlich, weil zum einen man auch den "alten" Kde Startbutton nehmen kann (der verhält sich dann so wie das Gnome-Startmenü) zum anderen ist der neue dank suchfunktion, favoriten und etc. deutlich schneller zu verwenden, als bei gnome in 3 oder 4 verschienden buttons unzählige menüs mit jeweils untermenüs zu verwenden. wem das aber zusagt, kann wie gesagt auch den alten startbutton verwenden.

    Die Farbei blau ist auch nur das default kde theme. Je nach geschmack, distri oder eben theme, kann man sich die farbe aber aussuchen und mit 2 klicks ändern. (Genauso wie bei Gnome).

    Wenn einem stört, dass das Panel, etc. unten ist, kann man ebenso wie bei gnome das panel nach oben, links, rechts wo auch immer hin verschieben und schon schauts nicht mehr wie windows aus.Man kann (ebenso wie bei gnome) zwei panels machen (eins oben, eins unten), je nach geschmack.

    Also KDE4 hat definitiv noch einige macken und probleme, aber der Test ist nicht gerade sehr ausgewogen geschrieben und man sieht eindeutig, dass du ein Gnome-User bist, der die Meinung vertritt, dass Gnome besser ist und deswegen testest du KDE um dann eben zu schreiben wieso gnome besser ist.

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  2. knapp ein jahr und 2 releases später haben sich tatsächlich viele der kritikpunkte aufgelöst.. einiges bleibt nachwievor dem user überlassen es einzustellen (aber immerhin ist das prinzipiell möglich) und manches (kdepim google calendar integration) bleibt eine tolle idee für die brainstorm sektion des kde forums.. vieles ist auch einfach ein problem des kubuntu kde's hier könnte wahrlich etwas mehr liebe und präzisionsarbeit aufgebracht werden..

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